Donnerstag, 24. Oktober 2019

Lagerschaden reparieren beim Miele S5 EcoLine Staubsauger

Was tun, wenn sich der Staubsauger von heute auf morgen wie ein startender Passagierflieger anhört?

In diesem Fall handelte es sich um einen Miele S5 EcoLine green (Modell S 5211), der mit seinem 1200 W Motor bisher eher leise auftrat.



Die erste Aufgabe bestand - wie so oft - darin, einen Weg zum Öffnen des Gehäuses zu finden. Nach öffnen des Staubbeutelfachs und Abnahme des Abluftfilterhalters waren bereits fünf T20-Schrauben zugänglich und konnten entfernt werden.




Ein magnetisierter Schraubendreher war hilfreich, um die Schrauben aus den tiefen Schraubenschächten zu heben.
Weitere zwei Schrauben befanden sich unter der hinteren Zierleiste. Die Kappen der beiden Fußtasten mussten vorsichtig abgehebelt werden. Dabei die Kappen etwas seitwerts wegdrücken, damit die Plastiknasen der Befestigung nicht abbrechen (ist mir beim Einschalter leider passiert).



Nun konnten die seitlichen Clips der Zierleiste nach innen gedrückt werden, und die Abdeckung konnte entfernt werden.



Weitere zwei Schrauben sind damit erreichbar, ...



... nach dessen Lösen sich das Oberteil des Gehäuses abnehmen ließ.



Auf einem Kunststoffträger ist die Drehzahlsteuerung untergebracht. Der Träger kann nach oben abgezogen werden. 



Die Steuerung besteht aus einem ST62T00C Mikrocontroller. Über den Trimmer und den internen A/D-Wandler erfährt er, welche Drehzahl gewünscht ist und steuert einen Triac an, der den Motor mit entsprechender Energie versorgt. Der Triac ist jedoch nicht auf dieser Platine zu finden, sondern befindet sich direkt im Motorgehäuse. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Phasenanschnittsteuerung, wie sie auch in Dimmern eingesetzt wird.


Weitere drei Schrauben konnten gelöst werden, ...



und nach dem Abdrücken der seitlichen Verriegelung, konnte die Motorabdeckung abgehoben werden:





Unter der Filzabdeckung kam der Motor zu Vorschein. Sein Aussehen ließ die Vermutung zu, dass hier eine Flüssigkeit ihr Werk vollbracht hat.

Seitlich am Motor befindet sich der Motorstecker: einfach abzeihbar.



Der Motor kann aus seinem Lager gehoben werden.



Das Typenschild - sofern ein neuer Motor erforderlich wäre:



Die Gummipuffer und die Blechabdeckung wurden abgenommen.
Die Schraube des Lüfterrades hat ein Linksgewinde. Die Mutter läßt sich also mit dem Uhrzeigersinn öffnen.



Unter dem Lüfterrad, vier weitere Schrauben zum Öffnen des Motorgehäuses:



Und schon zeigte sich die Misere: Oxidation!



Läufer und Kohlen können einfach herausgezogen werden.



Das Lager auf der Läuferachse rechts ließ sich nur noch widerwillig drehen - vermutlich die Ursache der "Düsentriebwerksgeräusche".
Die Lager mussten also getauscht und die Oxidation mittels Kontaktreiniger beseitigt werden.

Mit einem Abzieher konnten die alten Lager entfernt werden.



Verbaut sind 8x22x7 mm Lager, die ich durch entsprechende staubdichte Rillenkugellager ersetzte.



Die neuen Lager wurden mit dem Schraubstock und einer 8 mm Nuss aufgedrückt. Die Nuss sorgte dafür, dass die Kraft des Schraubstockes nur auf den Innenring des Lagers übertragen wurde. Andernfalls läuft man Gefahr, dass das Lager beschädigt wird. Ein entsprechend zugeschnittenes Rohrstück hätte den gleichen Zweck erfüllt. Wichtig ist nur, dass der Innendurchmesser dieser "Drückhilfe" den Durchmesser der Achse nicht wesentlich überschreitet und eine gleichmäßige Kraftübertragung auf den Innenring gewährleistet ist.



Danach wurde der Läufer und die Kohlen wieder eingesetzt, wobei darauf zu achten ist, das die Kontaktlaschen der Kohlehalter in die dafür vorgesehenen Buchsen geführt werden.
Hier noch ein Bild mit dem Triac der Motorsteuerung (Kühlfahne des TO-220 Gehäuses):



Vorher vs. nachher:



Zuschrauben geht schneller, als öffnen.
Ein erster Test, nachdem die Motorabdeckung aufgesetzt war,  ließ bereits erkennen, dass der Lagertausch erfolgreich war. Die Geräuche waren deutlich angenehmer und sogar leiser, als vor dem Lagerschaden.

Fazit: 
Der normale Haushaltsstaubsauger mag keine Flüssigkeiten ;-)
Abgesehen davon, hat die Reparatur zwei Tage gedauert. Die Arbeitszeit betrug zwar nur ca. 1,5 Stunden, aber die Lager und den Abzieher musste ich bestellen und darauf warten. Die Materialkosten beliefen sich auf 2 € für die beiden Lager und 28 € für den Abzieher. Verglichen damit, hätte ein generalüberholter Motor mit rund 80 € zu Buche geschlagen.


Dienstag, 2. Juli 2019

Akkutausch Sony Xperia Z1 Compact

Mit den Jahren und nach etlichen Ladezyklen zeigen Lithium Polymer Akkus Kapazitätsverluste. Wenn das zu schnelle Entladen nervt, wird es Zeit für einen Akkutausch - sofern möglich.
Handygehäuse kommen heute recht monolithisch daher, da die Gehäuseteile meist verklebt sind (staub- und wasserdicht). So auch das Sony Xperia Z1 Compact. Was aber nicht bedeutet, dass man den Akku nicht tauschen kann ...



Aber Achtung: Möglicherweise ist das Handy nach dem Akkutausch nicht mehr wasser- und staubdicht bzw. die Dichtigkeit entspricht nicht mehr der vom Hersteller angegebenen Schutzart IP58. 
Mit dem Handy also nicht baden gehen oder es im Staubsauger aufbewahren. ;-)

Im ersten Schritt habe ich die Gehäuserückseite ca. 15 Sekunden lang mit einem haushaltsüblichen Haarföhn erwärmt. Dadurch wird der Kleber unter der Rückseite weich.



Anschließend kann ein dünnes Stück Kunststoff (Plektrum oder SIM-Karte) von oben her unter die Rückseite gedrückt werden. Nun vorsichtig reihum die Rückseite abhebeln und abziehen.



Zum Vorschein kommt der Akku und die darauf verklebte NFC-Antenne. Einen Ersatzakku inklusive Halter und ohne NFC-Antenne habe ich für rund 10 € bekommen. Für ein paar Euro mehr sind sie auch mit NFC-Antenne erhältlich. 
 

Der Akkuhalter ist mit einer Schraube nahe der Kamera fixiert. Nach dem Lösen der Schraube und des Akkusteckers, kann der Akku mit dem Halter herausgenommen werden. 

 
Die NFC-Antenne ist aufgeklebt und läßt sich leicht mit der weißen Folie entfernen. Da die Rückseite der weißen Folie auch nach dem Abziehen noch klebt, kann die Antenne leicht auf den neuen Akku geklebt werden. 

 
Überschüssige Folie habe ich abgeschnitten, nicht jedoch die überlappenden Klebelaschen. Sie helfen beim richtigen Positionieren der Antenne auf dem neuen Akku.



Das Stück Schaumstoff auf dem Anschlusstecker war ebenfalls zu lösen und konnte auf dem Stecker des neuen Akkus platziert werden. Es sorgt für etwas Druck auf den Stecker, damit sich dieser bei Erschütterungen nicht löst. 


Nun noch den Halter festschrauben und den Stecker andrücken. 
Die Gehäuserückseite wieder richtig positioniert auflegen und ein paar Sekunden mit dem Fön erwärmen. 

 
Auf einer flachen Unterlage fest andrücken, und einige Zeit mit ein paar Büchern beschweren.



Noch mal: Möglicherweise ist das Handy nach dem Akkutausch nicht mehr wasserdicht bzw. die Dichtigkeit entspricht nicht mehr der vom Hersteller angegebenen Schutzart IP58. Ich werde es nicht darauf ankommen lassen ;-)

Das Einschalten funktionierte nach dieser Aktion tadellos. Der Akkutausch war damit erfolgreich. Ob der neue Akku was taugt, wird sich zeigen.


Aufwand: 
  • Akku 10 €
  • Arbeitszeit: 15 Minuten

Freitag, 17. Mai 2019

Samsung Galaxy Tab 10.2 öffnen

Mein Samsung Galaxy Tab 10.2 hat jahrelang ohne Beanstandungen seinen Dienst verrichtet. Android 4.2. ist zwar veraltet, aber zum Anzeigen der Uhrzeit, als eBook-Reader oder MP3-Player durchaus noch brauchbar. 
Doch plötzlich blieb es dunkel und still. Keine Reaktion auf Tastendruck. 

Akku defekt?




Zwei verschiedene Ladegeräte angeschlossen - gleiches Ergebnis. 
Die Geräterückseite fühlte sich warm an. Jedoch nicht dort, wo der Akku sitzt. Letztendlich blieb nur das Öffnen des Tablets.

Die Crux bei Sache: die wenigsten Tablets besitzen Schrauben, sondern im günstigsten Fall ein zusammengeklipptes Gehäuse - so auch beim Galaxy Tab.
Was braucht man zum Öffnen? Einen Gitarrenspieler, ein altes Handy und viel Gefühl. 
Bzw. dessen Plektrum und ein paar alte SIM-Karten. Aber andere Plastikteile tun es sicher auch :-)



Mit der scharfen Kante des Plektrums dringt man vorsichtig zwischen dem Bildschirmglas und dem Kunsstoffgehäuse ein. Wendet man hier zu viel Kraft auf, kann das Gehäuse oder das Innenleben Schaden nehmen. Am einfachsten geht es an der unteren Seite des Bildschirms. 




Wenn man nun das Plektrum mit Gefühl den Spalt entlang fährt, hört man klickende Geräuche, und das Gehäuse löst sich. Damit es beim Herausziehen des Plektrums nicht gleich wieder zuschnappt, kann man z.B. die SIM-Karten einstecken.



Anschließend des gleichen rechts und links und zum Schluss an der Oberseite. Hier besonders vorsichtig zu Werke gehen, denn die Öffnungen für Kartenschächte und Kopfhörerbuchse machen das Gehäuse dort besonders anfällig für Defekte.

Das Innenleben:



Die Hälfte des Gehäusevolumens wird vom Akku vereinnahmt.
Das Innenleben verrät auch das Herstellungsdatum:



Zum Akku: möchte man ihn tauschen, muss man erst mal die drei Flachbandleitungen von der Platine trennen. Heikel, aber machbar, da die Steckverbinder über einen Klippmechanismus verfügen. Dann noch die 10 Schrauben des Akkuhalters entfernen und den Steckverbinder des Akkus ziehen. ...
Aber erst einmal die Akku-Spannung messen.





Die Nennspannung des Li-ion Akkus ist mit 3,7V angegeben. 3,8V sind also in Ordnung.



Kein Grund, den Akku zu ersetzen.

Erst auf den zweiten Blick offenbarte sich eine mögliche Fehlerursache. Der Steckverbinder der Tasten hatte keinen Kontakt mehr zur Platine.



Diese Steckverbinder werden einfach aufgedrückt.



Ich habe ihn anschließend noch mit Klebeband gesichert.

Ein kurzer Test mit einem langen Tastendruck und der Bildschirm erwachte wieder zum Leben.




Nun wieder heruntergefahren und das Gehäuse vorsichtig zusammengefogt, bis es einrastete. Auch danach bootete das Tablet wie gewohnt.



Und konnte sich wieder seinen Aufgaben widmen.


Operation geglückt.


Sonntag, 14. April 2019

Morsetasten-Interface

Es gibt viele Wege das Geben von Morsecode mit einer Morsetaste oder einem Paddle zu erlernen. Beim Recherchieren nach gängigen Methoden bin ich auf das Freeware Programm HB9HQX Morse 6 von Beat Oehrli gestoßen. Dieses Programm bietet umfangreiche Möglichkeiten zum Hör- und Gebetraining.



Am sinnvollsten erschien mir das Geben mit einer richtigen Morsetaste statt die Tastatur des PCs damit zu quälen. Laut Programmbeschreibung kann zum Anschluss einer Taste oder eines Paddles die RS232 Schnittstelle genutzt werden - durch Tasten der CTS- (Clear to Send) und DSR- (Data Set Ready) Leitungen.

Um eine Morsetaste via USB anzuschließen bedarf es nur weniger Bauteile und entspechend übersichtlich ist der Schaltplan:



1x USB-RS232(TTL) Konverter Wandlermodul mit FT232RL Chip
1x Mono-Klinkenbuchse zum Anschluss einer Morsetaste
1x Stereo Klinkenbuchse zum Anschluss eines Paddles
2x 22nF Kondensator zum Entprellen der Tasten
1x LED (2 mA, rot)
1x 1k5 Vorwiderstand für LED
1x 6-pol Buchsenleiste, liegend
... Lochrasterplatine, Schaltdraht, passendes Gehäuse



Das Gehäuse ist aus dem "Ersatzteillager". Die vorhandene seitliche Öffnung habe ich für die LED als Betriebsanzeige genutzt. Die Stirnplatten sind aus 1 mm Alublech hergestellt.


Zusätzlich habe ich mit einer Buchsenleiste, neben den CTS- und DSR-Leitungen, auch die RX- und TX-Leitungen des Konverters zugänglich gemacht. So kann man relativ einfach weitere Tasten anschließen oder auch das Interface zweckentfremden.

Noch eine laminierte Beschriftung aufgeklebt und das Interface ist fertig.


Im HB9HQX Morse 6 Programm ist noch der COM-Port des Interfaces einzustellen.


Für eine Taste stellt man CTS oder DSR ein - ich nutze bei der Klinkenbuchse CTS. Paddles nutzen beide Signale (CTS = dit, DSR = dah).


Auf dem Blatt "Tasten" kann für Paddles noch "Interner Keyer" ausgewählt werden und schon kann man mit den Gebeübungen beginnen.


Jetzt fehlt mir zum regelmäßigen Training nur noch eine Käfig für den inneren Schweinehund ;-)