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Freitag, 29. März 2024

Marantz DV4001 mit Schubladenproblem

Was tun, wenn der DVD-Player ungewollt die "Klappe hält"? 
Im vorliegenden Fall geht es um einen Marantz DV4001, der hörbar bemüht ist die CD-Schublade zu öffnen, es aber dennoch nicht schafft. 
 

 
Zum Abnehmen der Abdeckung sind seitlich und rückseitlich TX10 Schrauben zu lösen.
Danach gibt der Player sein Innenleben preis:
 
 
Von oben links nach rechts befinden sich die Netzteilplatine, die RS232-Platine (Remote Control), die analoge AV-Platine und die DVM9.1-Platine. Letztere ist für die digitale Signalverarbeitung und Steuerung des Players verantwortlich. 
Und da sich alles recht übersichtlich darstellt, werden auch gleich die Kondensatoren und die Netzteilplatine insgesamt in Augenschein genommen.
 

Keine aufgeblähten Kondensatorgehäuse und keine braunen Stellen auf der Platine zu finden. 
Als weiteres ist erkennbar, dass Marantz verschiedene japanische Zulieferer für die Komponenten des Gerätes nutzte, welches selbst in China produziert wurde. Z. B. ist die Netzteilplatine von Mitsumi und das Laufwerk von Sony.
 
 
Um das Laufwerk weiter zu untersuchen, löst man auf jeder Seite zwei TX10 Schrauben mit denen das Laufwerk am Chassisboden fixiert ist.
Danach Vorsicht walten lassen, damit kein Kabel in Mitleidenschaft gezogen wird.
Beim Druck auf die Open-Taste bewegt sich der weiße Schlitten nach links, kann die Bewegung mit Motorkraft jedoch nicht zu Ende führen. 
 
 
Manuell lässt sich der Schlitten mit etwas Kraftaufwand nach links durchdrücken, wodurch der CD-Antrieb nach unten gedrückt wird und die Schublade ausfährt. Es ist ab dem Punkt, an dem die Schublade ausfahren soll, ein deutlich spürbarer Widerstand vorhanden, der mit Motorkraft offenbar nicht überwunden werden kann.

 
Die Mechanik wird von oben nur zugänglich, wenn man die  Schublade entfernt. Dazu ist beidseitig eine Kunststoffverriegelung nach außen zu drücken und gleichzeitig die Schublade rauszuziehen.
 
 
Der Riemen sieht etwas locker aus, greift aber zuverlässig.
 
 
Ich versuche den mechanischen Widerstand durch Schmierung zu verringern. Sprich: alle Flächen des Schlittens, die mit anderen Teilen interagieren werden mit Vaseline eingestrichen.
 




Schon beim manuellen Bewegen des Schlittens ist der Widerstand merklich zurückgegangen. Und nach dem Einbau des Laufwerkes zeigt sich wieder einen fließende und leichtgängige Bewegung beim Ein- und Ausfahren der Schublade.
 
 


Donnerstag, 9. Januar 2020

Abgleich Marantz PM8000 Vollverstärker

Ein "verwandter" (gehört meinem Cousin) Marantz PM8000 litt unter Verzerrungen im Class AB Betrieb des linken Kanals. Dies trat auch im Source Direct Mode auf. Die Klangregelung wird dabei umgangen, kann also als Ursache der Verzerrungen schon ausgeschlossen werden.

1. Maßnahme: Testhören



  • erst mit Boxen - die dem Verstärker in keinster Weise gerecht werden, ihn aber auf Temperatur bringen ;-)
  • dann mit Kopfhörer

Ja, die Wiedergabe wird mit der Zeit im linken Kanal unsauber.

2. Maßnahme: Sichtprüfung
  • keine abgerauchten Bauteile
  • keine ausgelaufenen Kondensatoren
  • keine Kondensatoren mit ausgebeulten Gehäusen
  • alle Steckverbindungen fest
  • keine korrodierten Anschlussbuchsen


3. Maßnahme: Ruhestrom-Abgleich und der DC Offset-Abgleich

Sind beide nicht richtig eingestellt, liegt der Arbeitspunkt der Verstärkerstufen evtl. im nichtlinearen Kennlinienbereich und es treten Verzerrungen auf.

Laut Service Manual ist wie folgt vorzugehen...

Ruhestrom Abgleich:

Die Messgeräte sollten möglichst vor dem Einschalten der Versorgungsspannung an die Messpunkte angeschlossen werden bzw. man sollte sich vergewissern, wo die Messpunkte sind. Denn die Erste Messung soll zwischen 30 und 60 Sekunden nach dem Kaltstart erfolgen.



Messpunkte an den beiden außenliegenden Anschlüssen (Widerstand mit Mittenabgriff), hier z.B. am 3335:

  • Input Selector auf CD stellen, ohne Signalquelle am CD-Eingang
  • Volume auf Minimum stellen
  • Spannungsversorgung (230V~, ±5%) einschalten
  • Spannungsmessung an den Widerständen 3335 und 3337 für den linken Kanal (L)
  • Spannungsmessung an den Widerständen 3336 und 3338 für den rechten Kanal (R)
  • durch langsames Drehen an den Trimmern 3299 (L) und 3300 (R) die Spannungen einstellen.
 
Nach 30 bis 60 Sekunden sollten die Spannungen zwischen 0,3 mV und < 0,4 mV liegen.


Die Spannungswerte sind die gemessenen Werte an den Widerständen 3335 und 3336. Die Werte an 3337 und 3338 wichen um ca. ±0,2 mV davon ab.


Sofort nach dieser Messung:
  • Class A Betrieb auswählen
  • Messpunkte bleiben gleich
  • durch langsames Drehen an den Trimmern 3309 (L) und 3310 (R)  die Spannungen einstellen.



Die Spannungen sollten zwischen 65 mV und < 70 mV liegen.



Die Spannungswerte sind die gemessenen Werte an den Widerständen 3335 und 3336. Die Werte an 3337 und 3338 wichen um ca. ±1 mVdavon ab.




30 Minuten warten ...

  • Class AB Betrieb auswählen
  • Messpunkte bleiben gleich
 
Die Spannungen sollten sie sich bei 18 mV ±3 mV einpendeln.



Die Spannungswerte sind die gemessenen Werte an den Widerständen 3335 und 3336. Die Werte an 3337 und 3338 wichen um ca. ±2 mV davon ab.


  • Class A Betrieb auswählen
  • Messpunkte bleiben gleich
 
Die Spannungen sollten sie sich bei 90 mV ±5 mV einpendeln.



Die Spannungswerte sind die gemessenen Werte an den Widerständen 3335 und 3336. Die Werte an 3337 und 3338 wichen um ca. ±1 mV davon ab.






Abgleich DC Offset-Spannung:

  • Spannungsmessung an den Lautsprecheranschlüssen des linken und rechten Kanals
  • durch Drehen an den Trimmern 3263 (L) und 3264 (R) die Offset Gleichspannung auf < ±10 mV einstellen. Ideal wären 0 V.


Nahe dran:



Damit war der Abgleich abgeschlossen.

4. Maßnahme: Übertragungsmessung



  • magenta: Eingangssignal 10 kHz, CD Eingang linker Kanal, Class AB, Direct Source
  • gelb: Ausgangssignal linker Kanal an 50Ω Lastwiderstand mit aufgedrehtem Volume
  • weiß: Frequenzspektrum 0 - 100 kHz

Bei Verzerrungen hätte Harmonische der 10 kHz Schwingung im Frequenzspektrum erkennbar sein müssen. Da waren keine.


5. Maßnahme: Wieder Testhören

Auch nach einer Stunde - diesmal an brauchbaren Infinity Boxen - keine hörbaren Verzerrungen oder Unsauberkeiten. Aber da jeder ein anderes Gehör hat, ist letztendlich das Urteil meines Cousins ausschlaggebend und der bestätigte, dass sein Verstärker wieder einwandfrei läuft. :-)



Eingesetzte Messgeräte:
  • Digitech DT-4000ZC, 400 mV Messbereich, ±0,5%+5Dig, Auflösung 100 μV
  • PeakTech 3345, 400 mV Messbereich, ±0,5%+2Dig, Auflösung 100 μV
  • Siglent SDS1202X-E

Mittwoch, 13. Januar 2016

Analog Synth Nachbau - Weird Sound Generator

Ray Wilson, bekannt wegen seiner umfangreichen Analog Synthesizer Bauten, veröffentlicht eben diese auf seinen Web-Seiten Music From Outer Space, kurz MFOS.
Besonders gefiel mir das Projekt "Weird Sound Generator" (WSG), nicht zuletzt wegen der unkonventionellen Art der Beschreibung. Der WSG ist ein Lo-Fi Gerät, der Sound ist grottig, verrauscht und dreckig (Beispiele am Ende des Posts). Aber genau das suche ich manchmal.

Vorweg: ich habe auch die entsprechenden Mods mit aufgebaut, jedoch erst zu einem Zeitpunkt, als ich die Hauptplatine schon bestückt hatte. Die Mods finden daher auf einer Add-On Platine ihren Platz und nicht auf einer gemeinsamen Platine. Die Bezeichnungen (Zany, Wacky, Weird, Oddness), die Ray Wilson für die Baugruppen verwendet, gefielen mir ausnehmend gut.
Ich habe sie jedoch durch die konventionellen Bezeichnungen LFO, VCO etc. ersetzt, um mir das Verständnis der Funktion erleichtert.






Der WSG verfügt über:

2 LFOs
... einstellbar in der Frequenz und Modulationsstärke, liefern sie wahlweise ein Dreiecks- oder Rechtecksignal

4 VCOs
... liefern ein Dreiecksignal mit einstellbarer Frequenz. VCO 1 und VCO3 werden vom den LFOs moduliert und wahlweise auch von VCO 2 und VCO 4. Alle VCOs geben ihr Ausgangssignal zum Filter weiter, wobei VCO 2 und VCO 4 abschaltbar sind.

1 Lowpass-Filter
... einstellbar in Frequenz (grob und fein) und Resonanz

1 regelbarer Line-Ausgang

4 Voltage Control Eingänge
..., die keinem Standard entsprechen (z.B. 1V/Oktave), für Spielereien durch Anschaltung externer Spannungsquellen jedoch interessant erscheinen.

2 Trigger Ausgänge der LFOs
... zum Ansteuern von externem Equipment.

1 Gate-Eingang
... mit dem zwei voreingestellte Attack-Decay Varianten am Filter moduliert werden können.

Der Signallauf





Der Aufbau

Die Hauptplatine enthält die LFOs, VCOs und die Filterstufe. Da ich eine einlagige Platine haben wollte, musste die Platine neu designed werden.









Die Add-On Platine enthält die VC-, Trigger- und Gate-Schaltungen. Da sie im Nachhinein entstanden ist, ist die Verkabelung leider etwas aufwendiger.








Das Gehäuse ist ein 2-schaliges Aluminium Pultgehäuse der Alu-Topline Serie von BOPLA mit den Maßen 200 x 180 mm.



Die Gestaltung der Front- und rückwärtigen Anschlussplatte erfolgte mit Powerpoint. Das Ergebnis wurde farbig ausgedruckt, laminiert und aufgeklebt. Vor dem Verkleben habe ich einen weiteren Ausdruck als Bohrschablone benutzt.






Die Bedienelemente und externen Anschlüsse sind wie folgt angeschaltet:







Eine wasserfeste Beschriftung der Bedienelemente hilft bei der Verdrahtung den Überblick zu behalten.



Auf der Front sieht die Zuordnung dann wie folgt aus:



Für die Verbindungen habe ich 0,25 qmm Draht und Litze in verschiedenen Farben und mit 0,25 qmm Querschnitt verwendet.



Die Seitenteile des Gehäuses werden später evtl. durch Holzteile ersetzt. Vorerst müssen die Kunststoffelement ausreichen, da ggf. noch Änderungen vorzunehmen sind.

Meine Eagle-Dateien zum Projekt befinden sich auf der Download-Seite oder hier: Weird Sound Generator

Ein erster Test



... im Anschluss verlief erfolgreich. Der Aufwand für die Beschriftung der Bedienelemente hat sich gelohnt und Verdrahtungsfehlern vorgebeugt.

Hier eine Auswahl an Sounds, die mit meinem Gerät erzeugt wurden:




Weitere Soundbeispiele sind auf MFOS und den dort verlinkten Seiten zu finden.