Dienstag, 10. März 2015

Innenansichten: Wavetek Model 142

Es war einmal 1975 
  • In der BRD senkt man das Volljährigkeitsalter von 21 auf 18 Jahre,
  • es beginnt die Ölkriese, es endet der Vietnam-Krieg,
  • Bill Gates und Paul Allen gründen Microsoft,
  • Queen spielte die Bohemian Rhapsody,
  • es ist das internationale Jahr der Frau
... und die männlich dominierte Berufssparte der Elektroingenieure erhält ein neues Spielzeug:


Wavetek Model 142
HF VCG Generator
(redundant, denn VCG = Voltage Controlled Generator)

Handbuch



Nach 40 Jahren seit der Erstauflage stand nun ein solches Gerät schüchtern in meiner Werkstatt und fand keinen Anschluss. Das Problem: einen PH-163 Gerätestecker. 

Ein passendes Anschlusskabel war leider nicht dabei und ist nur zu überteuerten Preisen erhältlich.




Was bleibt, ist der Umbau. Ein heute üblicher IEC Kaltgeräte-Einbaustecker erschien mir geeignet.



Die Öffnung im Chassis wurde ohne größeren Aufwand mit der Laubsäge angepasst.




Ein erster Test zeigte Kontaktprobleme bei den Drehschaltern, die jedoch schnell mit etwas Kontaktpflegespray und wiederholtes Betätigen der Schalter behoben waren.

Let's swing:
Der Wavetek 142 liefert Schwingungen mit Frequenzen von 0,0005 Hz - 10 MHz in den Formen Sinus, Dreieck, Rechteck, positive- und negative Impulse.
Die Schwingungen können in ihrer Form in einem Verhältnis von 1:19 bis 19:1 variiert werden:




Bei Symetrieänderung wird jedoch nur 1/10 der eingestellten Frequenz ausgegeben, also max. 1 MHz.

Die Vss beträgt bis zu 30V, nimmt auf der letzten Strecke bis 10 MHz jedoch um 3dB ab, was einer Vss von 21,2 V entspricht:


Über den "VCG IN" Eingang kann die ausgegebene Frequenz mit einer Steuerspannung von max. 5 V in einem Bereich 1000:1 variiert werden. Die Steuerspannung kann eine Frequenz bis 100 kHz haben. Damit kann das Gerät als Wobbel-Generator oder zur Frequenzmodulation benutzt werden.
Genug der Parameter, wesentlich mehr Details sind im Handbuch zu finden.


Die inneren Werte:

Das Schöne an diesem Gerät befindet sich "unter der Haube". Hat man die beiden Schrauben an der Rückwand gelöst, läßt sich diese Abnehmen und das Innenleben kann komplett nach vorne herausgezogen werden.


Es offenbart sich ein Kleinod der Handwerkskunst und manuellen Bestückung, mit aufwendig gefertigten Schalterkaskaden, ungewöhnlichen Bestückungsmethoden und exotisch anmutenden Bauteilen aus der Blüte der längst vergangenen Zeit diskreter Bauelemente.

Unterseite mit Netzteilplatine:


Dämpfungswahlschalter:



Das Netzteil:





Mehrfach-Drehschalter (Frequenzbereichswahl):



Potentiometer zur Frequenzeinstellung:



Ein Tiefflug über die Platine:












Dual High Frequency Differential Amplifier CA3049:








Da kann ich nur sagen: 
Herzlichen Glückwunsch zum 40. Geburtstag Wavetek 142. 
Du hast dich gut gehalten.

Kommentare:

  1. Schöne Bilder!
    Hast du eine Endoskop Kamera benitzt?

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    1. Vielen Dank.
      Ich habe meine Panasonic Lumix ZX-1 im Makro-Modus benutzt. Fast alle Fotos im Blog sind mit dieser Kamera entstanden.

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  2. Hut ab!
    Meine ältere Canon A710 hat auch ein schönes Makro, nur fristet die nur noch ein Schattendasein, weil ich immer manuell die Bilder hochladen muss. Mein S4 ist da wesentlich bequemer, aber solche geilen Makros gelingen damit leider nicht :-(

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