Sonntag, 6. April 2014

Innenansichten: Wii Controller - Original vs. Imitat


L: Imitat, R: Original
Vor mir lag ein Controller für die Nintendo Wii mit einer Macke und Made in Irgendwo (habe keinen Ursprungshinweis gefunden). Der Händler hatte mir ohne weitere Umstände Ersatz geliefert und auch das defekte Teil überlassen. 

Und da auch noch ein 3x so teurer original Wii Controller RVL-036 vorhanden war, lag ein Vergleich nahe.


Die Äußerlichkeiten:

Wäre nicht die unterschiedliche Beschriftung, könnte man Original und Imitat auf den ersten Blick kaum unterscheiden. Beim Original ist die Schrift kontrastreicher, das Gehäuse eine Nuance dunkler, als beim Imitat.

Ein Dreh zur Seite offenbart einen offensichtlichen Unterschied: das Original ist mit CE-Kennzeichnung versehen.


L: Imitat, R: Original

Beim Halten in der Hand, hatte ich den Eindruck, dass das Imitat etwas leichter ist. Ein Blick auf die Waage:



... das Original wiegt satte 10% mehr. Warum?

Nach öffnen der Batteriefächer zeigten sich weitere Unterschiede. 


L: Imitat, R: Original

Das Imitat ist mit Kreuzschlitzschrauben verschlossen, während das Original mit Y-Schlitzschrauben das Öffnen erschweren möchte. Dafür hat letzteres eine "Nintendo"-Prägung und ein Typenschild.

Dem Öffnen können beide Geräte nicht lange trotzen. Neben den 4 Verschraubungen, sind die Gehäuse im vorderen Drittel seitlich geklemmt. Hier muss mit sanfter Gewalt gehebelt werden. Bei YouTube finden sich einige Tutorials zum Vorgehen.
Beim Imitat löste sich die Klemmung sprunghaft, da ein Klemmbügel abriss, und verteilte die Tasterkappen großzügig im Raum (Taste "1" harrt immer noch in seinem Versteck aus oder hat die Flucht in den Staubsauger angetreten). 

Die inneren Werte:


L: Imitat, R: Original

Beim Imitat ist der Lautsprecher lose und von minderer Qualität. Im Betrieb hörte er sich stets scheppernd und überlastet an. Das Original hat einen deutlich besseren Lautsprecher, der fest verankert ist und eine hochwertigere Membran besitzt. Die Gehäuseöffnung ist zudem mit einem Schutzvlies abgedeckt.
Der Lautsprecher dürfte für einen wesentlichen Teil des Gewichtsunterschiedes verantwortlich sein.

Das Platinenlayout und die verwendeten Bauelemente sind stark abweichend.
Beim Imitat ist neben einem 24 MHz Quarz ein Invensense MPU-6050C (Nr. 1 im Foto) verbaut. Dies ist ein Chip mit 3-Achs Gyroskop, Accelerometer und Temperatursensor (wird nicht genutzt). Er misst der Controllerbewegungen in Richtung und Beschleunigung und gibt diese per I2C Anbindung an den Controller weiter.
Bei Original befindet sich an gleicher Position (2) ein Accelerometer Type 34M2 2116. Ein Datenblatt war nicht zu finden. Gleiches trifft auf den Controller an Position (3) zu, mit RVL-IG A 410 beschriftet - vermutlich speziell für Nintendo produziert.
An Position (4) befindet sich ein IC mit der Aufschrift "126 475A". Es trägt das Logo der Firma Microchip. Aber auch hierfür war kein Datenblatt auffindbar.

Die Rückseite:
Bei den unteren Gehäusehälften weist das Imitat deutlich weniger versteifende Elemente auf (die fehlenden sind im Foto gelb markiert). 


Oben: Original, Unten: Imitat

Bei der Platine sind von Links nach Rechts: die Infrarot-Camera, der B-Taster, der Vibratorionsmotor und jenseits der Batterieklemmen Spannungsstabilisierung, Sync-Schalter und Nunchuk-Anschluss. 


Oben: Original, Unten: Imitat

Der Bereich zwischen Vibrator und Batterieklemmen:


L: Imitat, R: Original

Das Imitat:

(1) RDA 5875Y
Ein Bluetooth-Chip für die Verbindung zur Wii. Der orange Pfeil im Foto zeigt auf die Antenne an Pin 19. Die Kommunikation erfolgt wieder über I2C. 
Direkt pberhalb befindet sich ein 26 MHz Quarz.

(2) FT24C32A
Ein EEPROM Speicher mit 4 kByte und I2C Anbindung

(3) Ein "black blob"
... der Controller: ohne Bezeichnung, ohne Hinweis auf die integrierten Features. So macht man Nachbauten nachbausicher ;-)



Das Original:

(4) ST 464WP
Ein EEPROM Speicher mit 8 kByte und I2C Anbindung

(5) ITG-3270
Ein 3-Achs Gyro mit I2C von Invensense

(6) BCM 2042A
Ein Bluetooth-Chip von Broadcom. Er enthält auch einen integrierten 8051 Controller, RAM und ROM Speicher.

(7) BU8849FV
Über diesen Chip sind keine Daten zu finden. Verschiedene Quellen mutmaßen, es könne sich um einen Audio-Chip handeln.

Unter der B-Schalter Abdeckung: nichts wesentliches...


L: Imitat, R: Original

... lediglich beim Imitat erkennt man, dass die Bluetooth-Antenne auch dort bis zur λ/2-Länge ausgeführt wurde. Beim Abklemmen der Abdeckung hat sich beim Imitat eine Haltenase verabschiedet.

Die IR-Cam 
... erfasst die Ausstrahlungen zweier IR-LED Reihen, die sich in der IR Sensorleiste befinden.




Daraus wird die ein Zeiger errechnet dessen virtuelle Spitze auf dem Bildschirm als z.B. zeigende Hand dargestellt wird und zur Navigation durch die Wii Funktionen dient.

Die Original IR-Cam hat ein I2C Interface und ist deshalb interessant zur Zweckentfremdung. Im Internet finden sich dazu mehrere Anleitungen, z.B. bei http://www.instructables.com


Auch die IR-Cam des Imitats hat eine I2C. Lediglich der die "Verpackung" ist nicht so gelungen, wie beim Original. U.a. ist auf der Rückseite der Cam-Platine ein "black blob" zu finden.



Das Original ist mittlerweile wieder zusammengebaut und funktioniert einwandfrei.

Warum das Imitat nicht richtig funktionieren möchte ist mir nach wie vor ein Rätsel. Als Lieferant für interessante Bauteile kommt es jedoch durchaus noch in Frage - sofern diese ordnungsgemäß arbeiten.
Der Preis des Imitates lag bei etwa 20 € inkl. Nunchuk. Das verbaute MPU-6050 übersteigt diesen Preis bereits. Auch Bluetooth, Vibrationsmotor, Nunchuk-Buchse und die Cam könnten durchaus eine weitere Verwendung wert sein. Den Lautsprecher und das Gehäuse kann man ohne Reue entsorgen. 



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